Posted by on 29. August 2018

Die Spürbarkeit des Ärztemangels in ländlichen Gebieten hält die Gesundheitspolitikerin und CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Claudia Schmidtke nur für den Vorboten eines absehbar viel größeren Bedarfs an Ärztinnen und Ärzten in den kommenden 5-10 Jahren. „Wenn wir insbesondere bei Studium und Ausbildung nicht schon bald gegensteuern, werden wir die Folgen des Mangels in den kommenden Jahrzehnten bitter bereuen – auch in den Städten und Ballungsräumen“, erklärt Prof. Schmidtke.

Wie die Ärztekammer in ihrer Ärztestatistik 2017 berichtet, ist der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent gestiegen, gleichzeitig aber Anteil der über 59-Jährigen auf 18,4 Prozent angewachsen. Der Anteil der 40- bis 49-Jährigen liegt bei 22,7, der Anteil der 50-bis 59-Jährigen bei 28,2 Prozent. Es gibt viel mehr 50- bis 59-Jährige (108.559) als 40- bis 49-Jährige (87.280) Ärztinnen und Ärzte.

Dramatisch wird diese Lage dadurch, dass der Bedarf an ärztlicher Versorgung aufgrund der demographischen Entwicklung mit zunehmendem Lebensalter und häufig damit verbundener Multimorbidität immer größer wird. Hinzu kommt, dass immer mehr Frauen den Medizinerberuf ergreifen. „Der Frauenanteil im Medizinstudium liegt bei 70 Prozent – Tendenz immer noch steigend. Einerseits ist es sehr zu begrüßen, wenn in einem verantwortungsvollen Beruf der weibliche Anteil überwiegt. Auf der anderen Seite wissen wir aber, dass Frauen viel häufiger in Teilzeit arbeiten und seltener Praxisgründungen vornehmen. Es genügt daher nicht, sich über den hohen Anteil zu freuen. Wir müssen auch dafür sorgen, dass die Frauen später Vollzeit arbeiten und Praxen gründen, sonst haben wir schon in wenigen Jahren ein Riesenproblem“, so Prof. Schmidtke.

Umgehend müsse daher in allen Bundesländern das Medizinstudium auf den Prüfstand. „Wir müssen auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermitteln, um die Hemmschwelle zur Gründung einer eigenen Praxis zu senken. In diesem Zusammenhang ist es auch gut, dass das Bundesverfassungsgericht den Numerus-Clausus-Zugang zum Medizinstudium gekippt hat. Künftig brauchen wir zusätzlich zur Bereitschaft zu lernen auch die Bereitschaft zu bleiben und zu gründen. Dass die Investition in den mit Abstand teuersten aller Studiengänge auch zu einer guten Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten führt, sollte schließlich auch im Interesse der einzelnen Bundesländer sein.“

Prof. Schmidtke war im August als einzige Bundestagsabgeordnete auch Mitglied der Auswahlkommission einer deutschen Universität für neue Studierende der Humanmedizin. „Mir ist erneut klar geworden: Deutschlands Universitäten bilden ausgezeichnete Ärztinnen und Ärzte aus. Es bewerben sich tolle junge Menschen. Dass diese dann aber später auch Praxen gründen und Vollzeit arbeiten, dafür tun wir zu wenig“, so Prof. Schmidtke abschließend.

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